Internet of Voice – Internet der Sprache

Das Internet of Voice / Internet der Sprache ist im Jahre 2017 eine der Entwicklungen, die das derzeit bekannte Internet etwas mehr verändern werden als viele geglaubt haben, oder auch noch glauben. Die Zeichen für diese Veränderungen sind am Horizont sehr deutlich ablesbar.

Schon oft hat die Presse mit lautem Gebrüll Totgeburten in die Medien verklappt; kennt noch jemand z.B iBeacons? uvm… 😉 Dieses mal verhält es sich zum Glück anders. Denn bevor die Presse überhaupt gemerkt hat das da etwas kocht / kochen könnte, haben einige Hersteller bereits schon erfolgreich verkauft. Aus diesem Grund tut es gut daran zu glauben das Sprachassistenten nun einen guten Weg in den breiten Massenmarkt finden und das Internet of Voice langsam eine gesunde Form annimmt ohne vorher schon durch Clickbaiting strunzdummer Redaktionen kaputtgeschrieben worden zu sein.

First mover, & Innovatoren für digitale Sprachassistenten

Schon in den Anfängen des Booms der Computertechnologie gab es die gesprochene Sprache auf den Computern. Wer erinnert sich nicht ein wenig wehmütig an die Sprachsynthese des Amiga? Okay, ich gebe zu dies betrifft vor allem die Menschen die in den 80ern als Teens peinliche Klamotten mit Schulterpolstern anhatten, sowie viel Harrspray und Lippgloss gebraucht haben. Soetwas wie Spracherkennung, war damals kaum möglich, da der technische und wissenschaftliche Anspruch sehr hoch ist um Sprache erkennen zu können. Doch dank nun schneller Computer, schneller Leitungen,  ganz viel Geld, Entwicklung und Nachfrage, hat das Marktsegment der Sprachassistenten die Tür zum Massenmarkt zumindest schon mal aufgestossen.

Digitale Sprachassistenten auf dem Weg ins Internet

Amazon Echo - Quelle Amazon.de Presse
Sprachassistenz als Massenprodukt, Quelle: amazon.de Pressematrial

Mit dem Erfolg des Smartphones durch Apple, fand als einer der Ersten auch Siri, ein digitaler Sprachassistent seinen Platz im Markt und spätestens ab diesem Zeitpunkt machten sich viele Unternehmen auf in den Markt für Sprachassistenten. Jedoch blieb Siri durch das Apple-Lizenzgefängnis eben nur auf Apple-Geräte beschränkt. Der Rest des Marktes griff diese Entwicklung erst wirklich auf als google den Sprachassistenten google now auf Android möglich machte. Es folgte Cortana von Microsoft als Bestanteil von Windows 10. Zeitgleich wurden zahlreiche weitere Systeme auf dem Markt platziert. So richtig zünden wollten jedoch all diese Entwicklungen nicht. Obwohl laut einer von google unbestätigten Aussage auf dem amerikanischen Markt schon 20% aller Suchanfragen von Sprachassistenten ausgegangen sein sollen. Der digitale Sprachassistent Amazon Echo mit den Dienst Alexa, scheint diesen Knoten nun etwas gelockert zu haben. Amazon Echo soll angeblich das am meist gekaufte Produkt in 2016 bei Amazon gewesen sein. In Verbindung mit anderen Sprachassistenzsystemen ergibt das einen schon recht beeindruckenden und großen Markt.

Internet of Voice als bildschirmloses Internet

digitale-sprachassistenten.de
Bildschirmloseses Internet, nur die Stimme steuert

Die Sprachassistenten machen das Internet bildschirmlos und damit auf andere Art und Weise anwendbar wie bisher. So finden nun auch Menschen und Anwendungsfälle zum Internet oder der Digitaltechnik, die bisher diesen Schritt nicht wagten oder konnten. Diese Entwicklung stellt die Macher des Internets vor neue Herausforderungen, da z.B Internetadressen und Domains nur noch Wegweiser sind, aber keine zentralen Marken oder Zugangspunkte mehr. Im gleichen Zuge stellt es die Macher der Sprachassistenzsysteme vor große Herausforderungen, da neben den großen Hürden der künstlichen Intelligenz und der Spracherkennung, nun die das semantische Internet quasi zu 100% zum tragen kommt, welches im Grunde bis heute ja kaum existiert. Die Intelligenz der Suchmaschinen und des Internets in Bezug auf die Kommunikation des Menschen befindet sich eigentlich noch in der Steinzeit. Entsprechend könnte das Internet of Voice auch hier eine Innovationswelle auslösen, bzw. muss es eigentlich auch um überhaupt  zufriedenstellend funktionieren zu können.

Voice Search

Die Internetsuche ist ein zentrales Element des Internet of Voice. So hat sich ein ganzes Universum Drumherum gebildet welches versucht über Suchmaschinenoptimierung (SEO) das Suchuniversum kleiner zu machen. Dies gelingt manchmal sehr gut, oft garnicht. Die dabei entstehen Weißheiten sind oftmals abstrus und doch funktionieren sie… manchmal… vielleicht… 😉 Klar ist, das dass Internet der Sprache, noch viel näher an den Menschen rücken muss als es bisher der Fall war. Einfach Keywords oder Keywordkombinationen reichen nicht um Sprache wirklich abzubilden. Da kommt maximal ein Such-Stottern dabei heraus. Natürlich kann  man die Sprache dann wieder auf Keywords reduzieren, aber stimmt dann noch der Kontext? Diese Fragen sind noch nicht beantwortet, bzw. eigentlich doch… weil selbst ohne Sprachesuche der Kontext der Suchergebisse nicht wirklich immer sonderlich ist gut.

Die Suche ist für die Suchmaschinenoptimierung die Luft zum Atmen. Es dürfte also zu erwarten sein das besonders die SEO Branche sich mit diesem Thema stark auseinandersetzen muss um die Ansprüche an das Internet of Voice noch gut bedienen zu können. Obwohl die Internetseiten im Grunde auf die Funktion einer Datenbank reduziert werden, greift genau hier nun die Intelligenz dahinter aus der erhaltenen Sprach-Suchanfrage mehr zu machen um so Marken, Inhalte und Unternehmen im Internet erfolgreich zu machen bzw. zu halten.

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Voice Marketing / Sprachmarketing

Ohne Arme, keine Kekse…. ohne Bildschirm, keine Banner. Auch das Marketing muss sich im Rahmen eines bildschirmlosen Internet neu erfinden. Erwarten uns in Zukunft beim Lauschen unserer Lieblings Helene Fischer CD Szenarien wie auf dem Wochenmarkt, wo Wurst-Willi sein Sonderangebot für 10 Kilo Mett in den Raum brüllt? Spannend! Vor allem ob die Werbeindustrie es vielleicht diesmal hinbekommt Werben, ohne gleich mit dem Vorschlaghammer des Empfängers Hirn und/oder in diesem Fall Ohr zu zerstören und ohne das dieser eine Vermeidungshaltung einnimmt und Werbeblocker installiert. Und wieder… Spannend! Dass es hier vor allem endlich intelligente Marketingmacher geben muss, ist wohl unvermeidlich und das ist, im Interesse einer ganzen Branche, wohl auch gut so. So ist es auch sehr gut möglich das auch Bald Sprachdesigner und nicht nur, Webdesigner auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden. Wieso auch nicht?

Voice Shopping

Voice Shopping Icon
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Amazon macht es vor und  schenkt Alexa eine Einkaufsfunktion. Okay, zwar lässt sich damit nur auf Amazon einkaufen und die Anwendbarkeit ist auch noch nicht die Beste, aber es funktioniert und verbindet damit zwei bisher getrennte Welten. Dies bedeutet vor allem das der Handel auch hier reagieren muss und z.B eine entsprechende Matadaten Quailität liefern muss. Selbst im Jahre 2017 ist die Qualität der Metadaten zu jeglichen Produkten und Diensten in der Regel oft mehr als schlecht zu bezeichnen und vor allem auf die herkömmliche Suche und nicht auf Voice Search ausgestaltet.

Rezensionen, Preisvergleiche, Verfügbarkeit, Inkasso, Produktvergleiche, Produktdaten und letztendlich der Kauf, alles in ein Prozess eingedeckt der so natürlich und menschlich wie nur möglich sein muss. So manche Schuhabhängige Frau bräuchte da vermutlich schnell einen größeren Kleiderschrank. Vor allem weil die Kommunikation per Sprache ein wesentlich größeres Erlebnis ist, als die aktuellen Internet-Shopbetreiber es dem Kunden derzeit diktieren wollen. Als „Erlebnis“ kann man den Kauf im Internet derzeit wohl kaum im positiven Sinne bezeichnen. Das können Voice Shoppingsysteme wie Alexa ändern und damit ganz klar auch den Umsatz steigern. Alleine eine Produktberatung per Sprache, die man einfach so nebenher mithören kann und nett formuliert ist, ist näher am Menschen als jeder noch so gut gemachter Produkttext.

Rechtsprechung

Wie so oft, werden Fragen zur Harmonie zwischen Innovationen und  Gesetzgebung, wohl auch hier erst gestellt, wenn der Markt groß genug ist und der Wettbewerb schärfer wird. Klar, wie kann man vorher wissen passiert? Doch.. kann man! Schliesslich hat die Entwicklung des Internets gezeigt was für mögliche rechtliche Probleme auftreten können. Insofern Politik und Juristen mal den Kopf aufmachen, ist es dank der bereits gemachten Erfahrungen durchaus möglich die Dinge besser abzuschätzen und in Einklang mit Recht und Ordnung zu bringen bevor ein Schaden entsteht oder eine Innovation mal wieder kaputtgeregelt wird.

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Einerseits könnte das vernachlässigen von Innovationen eine perfide Masche der Juristenbranche sein um die Umsätze der Kanzleien zu sichern. Anderseits ist das der gängige Weg in den Medien und dem besonders dem Internet erst die Auswüchse zu beobachten um dann daraus Gewinne zu schlagen. Dabei wäre es wünschenswert wenn die Rechtsprechung zumindest diesmal sich auf Augenhöhe mit der Innovation begrüssen könnte und einen gemeinsamen Weg finden könnte ohne das durch völlig schwachsinnige Gerichtsentscheide oder hirnlose Politiker Innovationen getötet werden oder zu Gunsten von Lobbyverbänden mal wieder im Teich der Konzerne verschwinden.

Sicherheit

Datenschutz und Nutzersicherheit der Sprachassistenzsysteme sind aktuelle quasi „kein Thema“, bzw. erste entsprechende Sicherheitsproblematiken sind bereits aufgetaucht, weil diese Themen kein Thema sind. So wurde z.B durch den Kommentar eines Fernsehsender eine Massenbestellung von Puppenhäusern ausgelöst. Entsprechend stellt sich hier die Frage ob die aktuelle Entwicklung des Internet of Voice überhaupt der Nachfrage standhält. Klar, mit Geld lässt sich im Grunde alles erschlagen, so auch die Funktionsfähigkeit der Systeme. Jedoch ist der Missbrauch unsicherer Systeme natürlich ein großes und vor allem teures und am möglichen Umsatz gemessen schädliches Thema. Wenn das Internet of Voice nicht stabil und sicher ist, werden die

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Menschen schnell das Vertrauen darin verlieren und die derzeit schnelle Entwicklung könnte massiv gebremst werden, womit dann wieder viele Innovationen den Bach runtergehen könnten. Dies ist z.B im Bezug auf das Thema Online-Banking und anderen schon oft geschehen. Entsprechend Altbacken schaut es daheim im Finanzsektor auch aus. Daher wäre es mehr als anzuraten besonders die Sicherheit der Systeme die höchste Priorität einzuräumen, so auch um Datenräubern wie NSA, Bundestrojanern und ähnlichem digitalen Ungeziefer nicht das Silbertablett zu servieren. Die Abhörbarkeit von Sprachassistenten war in den USA ebenfalls schon ein Thema und z.B relevant für einen Mordfall.

Zusammenfassend

Das Internet of Voice ist da, wenn auch noch nicht so präsent. Es existiert schon einige Jahre, wird aber nun seinen Platz bei allen  Internetteilnehmern finden. Die Möglichkeiten sind groß, die Fehlermöglichkeiten aber auch. Es bedarf großer Ohren um nicht von der Sprachlawine überspült zu werden. Wer diese Entwicklung ignoriert, ist bald sowas von 2016 😉

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