Der Markt für Sprachassistenten aus der Glaskugel

Apple Siri hat es interessant gemacht, Amazon Echo hat mit Alexa den Markt für digitale Sprachassistenten nun endgültig in Schwung gebracht. Es stehen den Herstellern vermutlich tubulente Zeiten ins Haus um einen Platz am Tisch der Voice First Geräte und dem Internet of Voice zu erhaschen.

Internet of Voice

2010 gab mal wieder Apple mit Siri den Startschuss für eine Technologie die bisher dem Massenmarkt eher verschlossen war, der Sprachassistent als ständiger Begleiter z.B auf dem Smartphone. Doch irgendwie wollte der Anschub auf den gesamten Markt nicht so Recht zünden. Microsoft platzierte mit Windows 10 auch Cortana und Google Now ist auf fast jedem Smartphone zu finden. Trotzdem fehlt bis heute der Boomcharakter im Markt. Dies hat Amazon mit der Gerätesserie Amazon Echo und den darin integrierten Sprachassistenzservice Alexa im Jahre 2016 massiv verändert. Das Gerät wurde, ohne überhaupt richtig verfügbar gewesen zu sein oder gar vernünftige Anwendungen parat zu haben, zum Verkaufsschlager für Amazon.

Zeitgleich erlebte das Marktsegment des Smart Home einen Umsatzschub. Zufall? Wohl kaum, denn Alexa bringt auch die Steuerung von Geräten mit, was Cortana und Google now (demnächst Google Assistant) noch nicht taten, aber natürlich nun auch tun oder tun werden.

Early Adopters durchbrechen wie so oft mit ihrem Kaufverhalten die Grenze vom nerdigen Luxusdingsbumms, hin zu massenmarktfähigen Produkten mit Mehrwert. Auch wenn die Preise für Smart Home noch alles andere als günstig sind und die Einbindung der Geräte auch oft mehr als geekig ist.

Obwohl Alexa derzeit kaum wirklich interessante Anwendungen anbieten kann und noch viele Funktionen fehlen die ein Siri oder Google now bereits bieten, so räumt dennoch der Amazon Echo den Markt von hinten auf. Wieso?

Amazon aus Gründen

  • Zum Ersten dürfte das große Vertrauen der Nutzer in die Marke Amazon eine große Rolle spielen. Vor allem weil Amazon im Bezug auf Technikprodukte eine eher neutrale Rolle einnimmt und sich im Markenbashing zwischen Apple, Microsoft, Samsung, etc. abgrenzt.
  • Zum Zweiten möchte der Nutzer immer gerne das haben, was es nur wenig gibt und andere nicht haben, bzw. er will es als Erster haben. Der Amazon Echo ist lange Zeit nur über eine Einladungssystem zu erhalten gewesen und war 2016 noch garnicht öffentlich verfügbar. Entsprechend entstand hier deine „Habenwollenspannung“ die schon auch bei anderen Geräten/Marken funktioniert hat. z.B dem Oneplus Smartphone. Oder eine limitierte Serie von Tonträgern der Lieblingsband oder eines Ferrari Flitzers.
  • Zum Dritten ist der Preis des Gerät nicht hoch und damit weniger abschreckend als z.B bei Apple. So haben auch Käuferschichten eine Produkt an der Hand welches einen qualitativen Charakter hat ohne das eine Apfel auf dem Produkt prangen muss.
  • Zum Vierten ist Amazon Echo derzeit das einzige Geräte welches Voice Shopping (Einkaufen per Sprache / Spracheinkauf) möglich macht. Wenn auch nur auf amazon.de, was vielen Anwender aber reichen dürfte.
  • Zum Fünften macht es zeitgleich die Audiomedien verfügbar die der Nutzer in seinem Amazonprime Abo hat.
  • Zum Sechsten kombiniert Amazon Echo das Voice Shopping mit der Medienwiedergabe die der Nutzer mit Amazon Prime (Video + kostenloser Versand) eh hat. Der Nutzer erhält also vieles „Aus einer Hand“, bzw. von einem Anbieter.
  • Zum Siebten gibt Amazon schon früh die Entwicklerwerzeuge für Alexa frei und bereitet der Innovation, die viele neue Entwickler mitsichbringen, den Weg in den Markt.
  • Zum Achten suchten die digitalen Märkte schon seit einiger Zeit nach dem „neusten heißen Shit“, da das vielgepriese Internet of Things, nicht so wirklich zünden wollte, wie all die Möchtegernevangelisten in die Presselandschaft verklappt hatten.
  • Zum Neunten ist das Smartphone derweil ein Teil des Alltags und damit fehlte auch dem Kunden bzw. Nutzer eine nächstes neues Produkt um sich der Technikvernarrtheit oder dem Konsumwahn hinzugeben.
  • Zum Zehnten: und überhaupt!

Marktsegmente und Zahlen

Es stellt sich also nun die Frage, wie es mit Sprachassistenten und den verbundenen Märkten weitergeht und wie es die Entwicklung der digitalen Medien beeinflusst. Die sozialen oder auch gesellschaftlichen andere Aspekte behandeln wir an dieser Stelle mal nicht, sonst brauchts Tintenflecke als Grafiken und die Tinte ist gerade alle, bzw. unser Grafiker hat da keine Lust drauf.

Gesammelte Zahlen (Mit Vorsicht…): Bereits 2016 sollen in den USA 20% aller Suchanfragen bei google über Sprachassistenten angefordert gewesen sein.

Der Nutzer eines Amazon Echo erzeugt ca. 10% mehr Umsatz auf Amazon als ein Kunde ohne Gerät.

Die Anzahl der Skills für den Amazon Echo hat in den USA in 2016 um 500% zugenommen, zeitgleich haben sich die Umsätze für Smart Home Produkte verfünffacht. Diese sollen bis 2020 von ca. 5 Mrd. Dollar auf über 20 Mrd. Dollar anwachsen.

Es wird geschätzt das die Zahl der Voice First Geräte von derzeit ca. 10 Mio. Geräten in 2017 auf über 35 Mio. Geräte ansteigen wird.  Wobei alleine Amazon bis 2017 ca. 8,5 Mio. Geräte verkauft haben soll und bis 2020 nochmal ca. 113 Mio. Geräte verkaufen wird.

Nimmt man nun an das nur die Hälfte dieser Geräte auch zum Einkauf auf Amazon genutzt werden und diese nur 5 mal pro Jahr im Wert von 25 Dollar einkaufen, ergibt das bis 2020 ein Umsatz durch Einkäufe über den Amazon Dot (Voice Shopping) auf Amazon von ca. 7 Mrd. Dollar. Die Umsätze von Abo-Diensten wie z.B Amazon Prime Music, sind hier noch garnicht eingerechnet. Ebenso fehlen die Umsätze der Folgemärkte.

Skills sind die neuen Apps

Ja, ist schon richtig. Mal wieder dieses hohle Marketinggefasel. Trotzdem ist diese großkotzige Behauptung garnicht so falsch. Auch wenn derzeit es noch keinen wirklich Markt für Voice Skills gibt, so beginnt auch dieser Markt erst sich durch Sprachassistenten zu entwickeln, wie einst bei den Apps auch. Die Märkte welche an dem Erfolg von Sprachassistenten hängen, können dabei einen größeren Teil des Kuchens ergeben als die Sprachassistenten selbst. Schliesslich ist der Sprachassistent ohne die entsprechenden Inhalte und Funktionen dahinter recht sinnfrei. Genauso wie eine Internetanschluss oder eine Browsersoftware sinnfreie ist wenn es keine Internetseiten gäbe.

Voice Skills sind es, die es dem Nutzer von Sprachassistenten erst überhaupt möglich machen den Sprachassistenten zu nutzen. Ergo, ist der Skill als Enabler für die Anbieter von Inhalten und Diensten von größter und eigentlich einziger Wichtigkeit. Der Skill ist entscheident für den Erfolg des damit verbundenen Produkts oder Dienstes. Es ist damit davon auszugehen das hier ein ähnlicher Markt entsteht wie auch die Apps für Smartphones sich entwickelt haben. Im Jahr 2020 soll der Umsatz durch Apps über 100 Mrd. Dollar stark sein. Wie fett kann der Markt für Voice Skills also werden? Es ist zu vermuten das die Umsätze über Voice Skills zwar nicht die Umsätze über Apps einholen, doch aber einen großes Stück davon abbeissen. Wenn man bedenkt das von heute bis 2020 nur 4 Jahren liegen, ist das schon eine doch recht krasse Annahme. Wie liegen die Wettquoten?

Internet of Voice und der Rest

Sprachassistenten bedeuten Voice First Geräte und damit – ohne Bildschirm. Das Internet wird zu einem Teil also zum Internet of Voice und Domainnamen werden quasi belanglos bzw. nur noch Teil des Voice Skills. Schlagworte funktionieren nicht mehr so wirklich, weil Sprache nunmal menschlich und komplex ist. So muss die Marken-, Produkt-, und Dienstleistungspräsentation und Vermarktung (Voice Marketing) sich dem also anpassen. Wobei klar ist das der Bildschirm niemals vom Sprachassistenten verdrängt werden kann. Sehr wohl aber solche Eingeräte wie z.B Tastatur und Maus.

Das Internet of Voice kann und wird viele Marktsegmente berühren oder gar massiv anschieben. Was z.B? Smart Home, Voice Marketing, Voice Payment, Voice Search, Abos für Inhalte wie Audio und Video, eBooks, Kommunikationsdienste, Smart Work… u.v.m.

Was davon (Achtung Wortspiel..) der Kill-Skill sein wird, dürfte sich noch herausstellen. Mit einem kurzen Blick auf die aktuellen Zahlen sind das derzeit in 2017 die Segmente des Smart Home und der Streaming-Abos. Entsprechend füllt sich das Internet derzeit mit jeder Menge Internetseiten zu diesen Themen, jedoch fast ausschliesslich leider ohne dabei das eigene Thema zu berücksichtigen und auch in extrem schlechter Qualität. Sprich, das Internet und seine Macher haben zwar auf den nächsten heißen Shit gewartet und greifen diesen auch auf, wenden ihn aber selbst nicht an, sondern reiten weiter das gleiche Pferd. Es wäre fast zum Lachen, wenn nicht klar wäre das die Sprachassistenten und ihre Nutzung derzeit noch immer ganz am Anfang ständen und es noch viel zu lernen und zu tun gibt.

Zudem konzentriert sich besonders die Presse fast ausschliesslich wie üblich auf das derzeitige Amazon-Zugpferd und beachtet die großen Nebenbuhler nur kaum bis garnicht. Dabei ist es klar das durch den von Amazon ausgeübten großen Druck auf den Markt die Konkurrenz nun auch richtig aufdreht. Apple, Microsoft, Samsung und Google lassen sich da auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Letztendlich ist der Markt noch im entstehen und der Platzhirsch noch nicht bestimmt, auch wenn Amazon den Türöffner gemacht hat, so kann noch immer jemand anders hindurch gehen. So wäre z.B auch Xiaomi so ein Kandiat, der immer wieder mit hochwertigen Produkten zu guten Preisen den Markt aufräumt. Es ist spannend…

Ausgeblickt und gesponnen

2017 wird Google Home nach Deutschland kommen. Bis dahin hat Amazon jedoch schon einen Fuss fest in der Tür. Noch bis Ende des Jahres wird es dauern bis ein paar wenige Skills mit guter Qualität überhaupt verfügbar sind. Die Zahl der Programmierer wird noch sehr überschaubar bleiben. Smart Home wird immer besser umsetzbar werden, vieles jedoch noch immer als Bastellösung für Nerds. Trotzdem werden die Smart Home Umsätze weiter massiv anziehen. Die Integration von Alexa in Geräte von Drittherstellern wird quasi „normal“. Google Home bzw. Google Services wird in den Geräten noch kaum Verbreitung haben und gewinnt nur langsam an Boden. Dafür wird Alexa sich auf Smartphones weniger stark ausbreiten als Google Assistant.

Microsoft und Samsung werden ebenfalls ihren Fußabdruck in den deutschprachigen Markt setzen, aber erstmal nur eine Randerscheinung in 2017 bleiben. Apple hat bei seinen Fans schon lange eine feste Größe mit Siri und Homekit, wird aber nur Ansatzweise am kommenden Boom teilhaben. Die Alternative für Apple wäre ein Innovationsschub, der zwar von vielen erhofft wird, aber von niemanden ertwartet wird.

Wer heute ein Smartphone oder einen Computer hat, wird bis Ende 2017 auch einen Sprachassistenten verwenden. Mal mehr, mal weniger. Das setzen des Timers, das hören von Musik, das versenden von Nachrichten und das Navigieren werden weiter die am meisten verwendeten Skills sein. Erst wenn Amazon den Spracheinkauf so gut optimiert hat, er wirklich Spaß macht und auch anderen Sprachassistenten diese Möglichkeit anbieten, dürfte die favorisierte Nutzung kippen. Vor Ende 2018 dürfte das jedoch wenig der Fall sein. Ebenso wird die künstliche Intelligenz der Systeme zwar stark zunehmen, jedoch noch längst nicht den Umfang annehmen den die Hersteller versprechen. So wir man öfter den Eindruck haben doch mit einer Maschine zu sprechen und nicht mit einem digitalen Assistenten.

2018 wird der Boom einsetzen und die Masse an Skills wird entscheiden wer der Platzhirsch bei den Sprachassistenten wird. Bzw. Welcher Sprachassistent sich welche oder die meisten Marktsegmente greift.

So, genug rumgesponnen! Jetzt bist du drann *Zwinckersmilie*