Datenschutz im Internet of Voice

Begriffe wie Internet of Voice, Internet of Things, Smart Home, Cortana, Siri, Google now, Google Assistant, Alexa und Amazon Echo sind heute fast jedem Internetnutzer geläufig. Vor allem die Windowshilfe Cortana ist auf nahezu allen Rechnern und Windows-Smartphones zu Hause.

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Für die meisten Nutzer sind die technischen Helfer nette Gimmicks, die den Alltag erleichtern. Doch für die Skeptiker sind sie ein Angriff auf die Privatsphäre und den Datenschutz. Nicht erst seit Snowden und NSA wissen wir, wie leicht Hacker in fremde Datennetze eindringen können. Nach einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom befürchten rund 61 % der Bundesbürger, die die Geräte nicht nutzen möchten, dass Hacker sie über die Geräte abhören könnten. Nur 41 % nutzen die Geräte nicht, weil sie kein Interesse daran haben.

Unsichere Rechtslage

Auf die Gesetzgebung vertrauen die Nutzer nur wenig. Äußerungen der Bundesregierung, „dass Datensparsamkeit nicht mehr zur heutigen Wertschöpfung passt“ tragen dazu bei; ebenso wie auch der Einsatz des umstrittenen Bundestrojaners. Datenschützer befürchten, dass der Bundestrojaner in der Lage ist, über Kameras und Mikrofone in Endgeräten Gespräche mitzuhören. Das könnte dann auch Unschuldige treffen.

Bei jeder Internetsuche fallen Daten an, jede Webseite nutzt Cookies, und fast alle Onlinenutzer können über Fingerprints ihrer Browser identifiziert werden. Doch digitale Sprachassistenten wie Siri, Google now, Google Assistant, Alexa und Amazon Echo stellen eine neue Stufe im Hinblick auf das Sammeln von Daten dar.

Ein politisch wirksamer Schutz vor kommerzieller Verwertung der Daten scheint nicht vorhanden zu sein. Die daraus resultierende Skepsis der Verbraucher gegenüber den neuen Hausgeräten stellt sich so auch als Wirtschaftshemmnis heraus.

Risiken des „Internet of Things“

Die „Dinge“ kommunizieren nicht nur untereinander, sondern taugen auch zum Abhören. Vor allem die Smart Home Geräte horchen ständig in den Raum, da sie ihre eigentliche Funktion erst bei bestimmten Wörtern einschalten. Was mit allen diesen abgehörten Daten passiert, weiß der Nutzer nicht. Theoretisch könnten Geheimdienste wie NSA oder der BND mit und ohne Bundestrojaner diese Daten erlangen und auswerten, ohne dass eine Gesetzgebung dies verhindert. Von dem Datenskandal abgesehen, wäre dies ein schwerer Eingriff in das Persönlichkeitsrecht.
Außerdem erfassen die Geräte mehr als nur die reinen Wörter. Wer zum Beispiel hustet, erhält passende Medikamente angeboten. Wer chronisch hustet, muss vielleicht bald einen höheren Krankenversicherungsbeitrag zahlen. Denkbar wären auch Auswertungen bestimmter stimmlicher und sprachlicher Eigenarten des Gerätenutzers, die Rückschlüsse auf Behinderungen, Krankheiten, Stimmungslage, et cetera zulassen.

Es sei daran erinnert, dass westliche Geheimdienste, wie auch der BND, in großem Stil Daten abgreifen und Unternehmen, Dienstleister und staatliche Stellen aushorchen und zur Kooperation verpflichten. So ist für die Bürger überhaupt nicht mehr absehbar, was mit ihren Daten geschieht und inwieweit ihr Persönlichkeitsrecht noch gewahrt bleibt.

Erkennt man einen Datenmissbrauch?

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Wie bereits erwähnt, kann der Nutzer von Smart Home Geräten nicht wissen, was mit seinen Daten passiert. Die durch Amazon ECHO erfassten Geräusche zum Beispiel werden in die USA übermittelt und können dort gespeichert und durch Amazon oder amerikanische Geheimdienste ausgewertet werden. Es ist nicht gesagt, dass das tatsächlich passiert, aber es wäre technisch und rechtlich möglich, ohne dass der Nutzer sein Einverständnis dazu gegeben hat und ohne, dass er davon weiß. Wozu und wie lange die Daten gespeichert werden, bleibt ebenfalls unklar. Die Frage, ob es einen Schutz vor Missbrauch der Daten gibt, kann also nur mit einem „Nein“ beantwortet werden.

Der Datenskandal um Snowden kann als Test angesehen werden, ob die Bürger bereit sind, wissentlich mit der Überwachung ihrer Privatsphäre zu leben.

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